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Nachrichten aus Kultur und Literatur

 

Dienstag, 09.03.2010
  

 



09.03. Christoph Hein erhält Eichendorff-Literaturpreis

Wangen im Allgäu (dpa/lsw) - Der Schriftsteller Christoph Hein erhält den mit 5000 Euro dotierten Eichendorff-Literaturpreis 2010. Der aus Schlesien stammende Autor wird für «sein exzellent und einfühlsam geschriebenes literarisches Werk» geehrt, wie der Wangener Kreis - Gesellschaft für Literatur und Kunst «Der Osten» am Dienstag in Wangen in Allgäu (Kreis Ravensburg) mitteilte. Der 65-Jährige habe sich «schon in politisch schwierigen Zeiten mutig und mit klarem Blick» geäußert, hieß es in der Begründung der Jury. Die Auszeichnung soll am 26. September überreicht werden. Die Laudatio hält der Kabarettist Dieter Hildebrandt.

 Der Pfarrerssohn Hein ging in West-Berlin zur Schule, lebte nach dem Mauerbau 1961 in der DDR und wohnt seit dem Mauerfall 1989 im vereinten Berlin. Er gilt als einer der wichtigsten literarischen Zeugen des Niedergangs der DDR. Der Durchbruch auch im Westen gelang dem regimekritischen Schriftsteller Anfang der 80er Jahre mit der Novelle «Der fremde Freund» (im Westen mit dem Titel «Drachenblut erschienen). Zu seinen nach dem DDR-Ende erschienenen Büchern gehören «Landnahme», «Das Napoleon-Spiel», «Willenbrock» und 2007 der Roman «Frau Paula Trousseau». Hein hat sich zudem als Bühnenautor einen Namen gemacht. Von 1998 bis 2000 war er Präsident des PEN-Zentrums.

 

09.03. Matthias Politycki erhält Preis der LiteraTour Nord

Hannover (dpa/lni) - Der Autor Matthias Politycki erhält den mit 15 000 Euro dotierten Preis der LiteraTour Nord. Die Jury würdige mit dieser Entscheidung das bisherige Werk des 54-Jährigen und vor allem seine 2009 erschienene «Jenseitsnovelle», teilte das Literaturhaus Hannover am Dienstag mit. Sie sei mit altmeisterlicher Kunst und hintergründigem Humor erzählt. Politycki zählt zu den wichtigen deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Er studierte Literatur und Philosophie und lebt in Hamburg und München.

Die seit 1992 bestehende LiteraTour Nord ist eine Lese-Tournee mit Wettbewerbscharakter, bei der sechs deutschsprachige Autoren ihre neuesten Werke vorstellen. Station machte die Tournee in Oldenburg, Bremen, Lübeck, Lüneburg und Hannover. Frühere Preisträger sind unter anderem Katja Lange-Müller, W.G. Sebald und Bodo Kirchhoff. Der Preis wird Politycki am 15. April in Hannover überreicht. Dabei will er eine literarische Kostprobe aus einem unveröffentlichten Werk geben. Politycki veröffentlichte etliche Romane, Essays und Gedichtbände, darunter «Weiberroman», «Herr der Hörner» und «In 180 Tagen um die Welt».

 

09.03. Miriam Meckel hat sich von Burnout erholt

Berlin (dpa) - Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel (42) hat sich von ihrem Burnout erholt, den sie 2008 erlitt. «Mir geht es wieder gut», sagte Meckel, die über ihre Erfahrung ein Buch mit dem Titel «Brief an mein Leben» geschrieben hat. Es erscheint an diesem Freitag (12.3.). «Aber ich habe viel gelernt aus der schlimmen Zeit, vor allem, dass ich langsamer werden und besser auf mich selbst aufpassen muss.»

Meckel will ihren Erfahrungsbericht am Donnerstagabend in Berlin vorstellen. Das Buch bedeute keinen Stress für sie, schreibt sie auf dpa-Anfrage. «Es ist eher Teil des Heilungsprozesses. Und damit nicht zu viele Termine auf mich zukommen, gehe ich kurz nach Erscheinen des Buchs in die USA nach Harvard und bin dann einfach mal weg.»

Die Kommunikationsexpertin («Das Glück der Unerreichbarkeit») ist Professorin an der Universität St. Gallen. In ihrem Buch, in dem ihre Beziehung zu Moderatorin Anne Will keine große Rolle spielt, schildert sie ihre Erlebnisse in einer Klinik im Allgäu.
 

 

09.03. Konfliktstoff - Neues Buch über Sorben

Bautzen (dpa/sn) - Konflikten im Verhältnis zwischen Deutschen und Sorben widmet sich ein neues Buch aus dem Bautzener Domowina-Verlag. Die Publikation «Wie man seine Sprache hassen lernt» erscheint in der kommenden Woche zur Leipziger Buchmesse, sagte die Geschäftsführerin des Verlags, Maria Matschie, am Dienstag in Bautzen. In der wissenschaftlichen Betrachtung gehe Autor Martin Walde unter anderem auf versteckte und offene Diskriminierung der Sorben in Vergangenheit und Gegenwart ein. Matschie rechnet damit, dass die Neuerscheinung eine lebhafte Diskussion in der Lausitz hervorrufen werde.

Die Sorben sind als slawische Minderheit in Sachsen und Brandenburg beheimatet. In Ostsachsen leben schätzungsweise 40 000 von ihnen, in Südbrandenburg 20 000. Die Stiftung für das sorbische Volk wird von beiden Ländern und dem Bund finanziert. Jährlich erhalten die Sorben so 16,8 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 8,2 Millionen, Sachsen steuert 5,85 Millionen und Brandenburg 2,77 Millionen Euro bei. Für die Verbreitung sorbischer Kultur sorgen unter anderem das Sorbische National-Ensemble und das Deutsch- Sorbische Volkstheater in Bautzen. Unter wachsendem finanziellen Druck wird derzeit eine Fusion beider Einrichtungen geprüft.

Der Domowina-Verlag ist einer von fünf ostsächsischen Verlagen, die mit eigenem Messestand vom 18. bis 21. März in Leipzig vertreten sind. Etwa 100 Titel mit regionalen Themen erscheinen jährlich in der Oberlausitz, sagte Frank Nürnberger vom Oberlausitzer Verlag in Spitzkunnersdorf (Landkreis Görlitz). Die Auflagenhöhe bewege sich zwischen 500 und 5000 Exemplaren. «Wir gehen auch auf kleine Zielgruppen ein», sagte Nürnberger. Er selbst habe im Vorjahr 25 Titel verlegt, darunter ein Bautzener Senfkochbuch, das zum Renner geworden sei.

Der Lusatia-Verlag aus Bautzen stellt in Leipzig unter anderem sein «Kleines Lexikon» vor. Nach Angaben von Verlagsleiter Frank Stübner seien in dieser Reihe bisher drei Bücher herausgekommen: über das für die Region typische Umgebindehaus, über Oberlausitzer Friedhöfe und im vergangenen Jahr über Friedhöfe in Ostsachsen.

(Internet: www.domowina.sorben.com)
(Internet: www.domowina-verlag.de)

 

09.03. Hahn und Grusa im Vorstand der Lasker-Schüler-Gesellschaft

Wuppertal (dpa/lnw) - Die beiden Schriftsteller Ulla Hahn (63) und Jirí Gruša (71) sind erneut in den Vorstand der Else Lasker-Schüler- Gesellschaft (Wuppertal) gewählt worden. Die Mitglieder der Literaturgesellschaft stimmten auf ihrer Jahreshauptversammlung in Solingen einstimmig für die beiden prominenten Autoren, sagte der Vorsitzende der Lasker-Schüler-Gesellschaft, Hajo Jahn, am Dienstag der dpa.

Ulla Hahn, Lyrikerin und Prosaistin, hat in einigen ihrer Romane Kindheit und Jugend im Rheinland geschildert. «Sie fühlt sich daher der aus dem rheinischen Elberfeld stammenden Dichterin Else Lasker- Schüler verbunden», sagte Jahn.

Der aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammende Dichter Jirí Gruša schreibt in deutscher Sprache, war Mitunterzeichner der «Charta 77» gegen das kommunistische Regime, später Botschafter seines Landes in Deutschland und Österreich sowie Präsident des internationalen P.E.N.-Clubs. Die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft, die das Werk der expressionistischen Dichterin pflegt und sich für verfolgte Künstler einsetzt, ist vor 20 Jahren gegründet worden und hat rund 1400 Mitglieder weltweit.

(Internet: www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de)



09.03.
Deutsch-tschechischer Autor Ota Filip wird 80

Murnau/Dresden (dpa) - Der Schriftsteller Ota Filip gehörte in der früheren Tschechoslowakei zu den international bekannten Dissidenten neben Pavel Kohout und Václav Havel. Er wurde 1930 im mährischen Ostrava (Ostrau) geboren, studierte in Prag Journalismus und arbeitete zunächst als Journalist für verschiedene Zeitungen, bevor er seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter verdienen musste. Filip, der seit 1977 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, in Murnau (Oberbayern) lebt und die Chamisso-Poetikdozentur an der Technischen Universität Dresden innehat, wird am 9. März 80 Jahre alt.

Filip war 1960 wegen kritischer Ansichten aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen worden und hatte dadurch Publikationsverbot.
Seine zwischen 1960 und 1963 geschriebenen drei Romane konnten erst im «Prager Frühling» 1968 erscheinen. In diesem kurzen ideologischen Tauwetter konnte Filip dann einige Monate als Verlagslektor arbeiten, bevor er im August 1969 wegen «gröblicher Schmähung» des damaligen Präsidenten der CSSR verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Nach internationalen Protesten kam er 1970 nach 15 Monaten frei und musste sich erneut als Hilfsarbeiter durchschlagen. Im Jahr 1974 ging er dann mit seiner Familie ins bundesdeutsche Exil.

Der begabte Schriftsteller gehörte noch zu seiner Zeit in der tschechoslowakischen Heimat zu den beliebtesten Erzählern und galt auch im Westen als besonderes literarisches Talent. «Café Slavia», ein ironisch-utopischer Roman aus dem Jahr 1985, wurde von der Kritik einhellig gepriesen. Schon sein 1973 erschienener Schelmenroman «Die Himmelfahrt des Lojzek Lapácek aus Schlesisch Ostrau» hatte Filip viel Lob eingebracht. Er bezog auch im gesellschaftlichen Leben immer wieder dezidiert politisch Stellung und setzte sich für eine Aussöhnung zwischen den Tschechen und den Sudetendeutschen ein.

Als Filip 1998 beschuldigt wurde, er habe in der 50er und 60er Jahren mit dem tschechischen Geheimdienst der damaligen kommunistischen Regierung zusammengearbeitet, reagierte Filip mit tiefer Betroffenheit. Er habe niemals «wissentlich und willentlich» mit dem Staatssicherheitsdienst zusammengearbeitet.

Im Jahr 2001 legte Filip dann eine Selbstverteidigung in Form eines autobiografischen Romans «Der siebente Lebenslauf» vor, der auf ein unterschiedliches Echo traf. Darin berichtet er über die absurden Vorgänge in den 50er Jahren in der Tschechoslowakei aus der Sicht eines Jugendlichen. Einige Stimmen nannten das Buch von «Selbstmitleid» getragen, es sei ohne besonderen literarischen Wert. Daraufhin zog sich Filip erneut zurück.

Anfang Januar übernahm er die Poetikdozentur in Dresden. Die Stadt München hat Filip 1991 mit dem ersten Münchner Großstadtpreis für Literatur geehrt. Im selben Jahr erhielt er auch den Düsseldorfer Andreas-Gryphius-Preis.

 

09.03. Freizeit-Poeten ringen um Meistertitel

Essen (dpa/lnw) - Freizeit-Poeten zieht es in diesem Jahr ins Ruhrgebiet. Wer sich im Kulturhauptstadtjahr als Literat «outen» will, kann bei den deutschsprachigen Meisterschaften SLAM2010 im Revier auf die Bühne steigen. Alles was gebraucht wird, ist ein selbstverfasster Text und der Mut für den Vortrag vor Publikum. In verschiedenen Städten werden von März an die Vorentscheidungen ausgetragen. Das Finale mit 150 poetischen Talenten steigt im November in der Jahrhunderthalle in Bochum. Das Publikum bestimme die Sieger, teilte die Ruhr.2010 GmbH am Montag in Essen mit.

«Ob feine zarte Lyrik, gesellschaftskritische Poesie oder wuchtiger Hip-Hop-Slam: Diese Wortkünstler leben ihre Literatur», erklärt Asli Sevindim, künstlerische Direktorin des Kulturhauptstadt- Veranstalters Ruhr.2010. Im Rahmen der Meisterschaft treten auch gestandene Poeten an öffentlichen Orten auf, um diese Kunstart den Menschen schmackhaft zu machen. Während der Nacht der Industriekultur setzt der örtliche Verkehrsverbund VRR einige Poetry Slamer in seinen Verkehrsmitteln ein.

Wer sich noch nicht so recht traut, kann erst einmal einen Workshop besuchen. Vor allem den unter Zwanzigjährigen soll der Einstieg erleichtert werden. Bei den Meisterschaften kann der nachwuchs denn auch in einer eigenen U20-Kategorie gegeneinander antreten, sagt Sebastian Rabsahl, Projektleiter beim SLAM2010.

(Internet: Ruhr.2010: http://dpaq.de/CPfLd)
 

 

09.03. Linke: Bibliotheken müssen Pflichtaufgabe werden

Erfurt - Um einem Bibliothekssterben in Thüringen zuvorzukommen, muss Kulturförderung nach Meinung der Landtagsfraktion Die Linke gesetzliche Pflichtaufgabe werden. Die deutliche Abhängigkeit der Bibliotheken von der Finanzkraft der Kommunen sei Ergebnis eines Kardinalfehlers des Thüringer Bibliotheksgesetzes, kritisierte die Kulturpolitikerin Birgit Klaubert. In dem 2008 trotz vehementer Kritik von Opposition und Kulturverbänden von der CDU-Regierung verabschiedeten Gesetz fehle die Definition Pflichtaufgabe.
Finanzengpässe in den Kommunen hätten deshalb fast immer Kürzungen zur Folge.

 

09.03. Entenhausen feiert das 400. «Lustige Taschenbuch»

Berlin (dpa) - Echte Sammler-Typen haben sie alle: Über sechs Meter erstreckt sich das «Lustige Taschenbuch» bei denen im Bücherregal, die die Abenteuer aus Entenhausen von Anfang an gesammelt haben. An diesem Dienstag (9. März) erscheint der 400. Band mit Geschichten von Donald, Micky & Co. Rund 215 Millionen «Lustige Taschenbücher» - kurz «LTB» - hat der Egmont Ehapa Verlag (Berlin) nach eigenen Angaben inzwischen verkauft.

Als Übersetzung aus dem Italienischen war im Oktober 1967 das erste «Lustige Taschenbuch» in Deutschland erschienen. Seit 1995 erscheint der jeweils 250 Seiten starke Comic-Sammelband jährlich mit 13 Ausgaben. Seit Mitte vergangenen Jahres gibt es auch Ausgaben in englischer Sprache, inklusive Vokabelteil.

Im Jubiläumsband finden die Leser acht Erstveröffentlichungen, darunter «Her mit dem Käse!» und «Die Rolling Ducks». Außerdem gibt es eine vierbändige Sonderedition mit den besten der insgesamt 3000 veröffentlichten Geschichten aus mehr als vier Jahrzehnten.

(Internet: www.lustiges-taschenbuch.de)
 

 

09.03. Haftstrafe für rechtsradikalen Buchhändler in Spanien

Barcelona (dpa) - Ein rechtsradikaler Buchhändler ist in Barcelona am Montag wegen Verbreitung rassistischen Gedankenguts zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Ein Gericht in der zweitgrößten spanischen Stadt sah es in seinem Urteil als erwiesen an, dass der Angeklagte in seinem Laden Schriften vertrieb, in denen Juden und andere Volksgruppen als minderwertig dargestellt werden.

Der Buchhändler war 1998 schon einmal zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde aber später auf sieben Monate reduziert und zur Bewährung ausgesetzt, weil nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichts das Leugnen des Holocausts in Spanien nicht strafbar ist. Der Angeklagte hatte vor Gericht behauptet, den Inhalt der von ihm verkauften Bücher nicht gekannt zu haben. Dieses Argument ließ das Gericht aber nicht gelten.
 





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