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NRW-Autoren erinnern mit Lesung an Bücherverbrennung vor 75 Jahren
Düsseldorf (dpa/lnw) - An die Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten im Mai 1933 erinnern nordrhein-westfälische Autoren mit einer Lesung aus den Werken verfolgter Schriftstellerinnen. Am Donnerstag (15.05.) sollen in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte Texte von Helene Simon, Else Lasker-Schüler, Krystina Zywulska und Gertrud Kolmar zu hören sein, teilte die Stadt Düsseldorf am Dienstag mit. Alle vier Autorinnen waren als Jüdinnen verfemt. Die Lesung wird vom Verband deutscher Schriftsteller in NRW und der Gedenkstätte organisiert.
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Berlin erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis vor 75 Jahren
Berlin (dpa/bb) - Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in Berlin der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten auf dem Bebelplatz vor 75 Jahren gedacht. Sie lauschten den ganzen Tag über Lesungen, Vorträge und Talkrunden an dem Schauplatz, an dem NS- Studenten am 10. Mai 1933 Hunderte Bücher jüdischer, sozialistischer und pazifistischer Autoren ins Feuer geworfen hatten. Berlins Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eröffnete die Gedenkveranstaltung, die von der Humboldt-Universität, dem spanischen Kulturinstitut Cervantes und dem Berliner SPD-Landesverband mitorganisiert worden war. Auch der israelische Botschafter Yoram Ben-Zeev schaute vorbei. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte die Bücherverbrennung am Vortag als «Zivilisationsbruch ohnegleichen» bezeichnet.
Das Gedenken stand unter dem Heinrich-Heine-Motto «...dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen». Das Stadtportal Berlin.de machte aus Anlass des 75. Jahrestags die Liste der vom NS-Regime verbotenen Schriften im Internet zugänglich (siehe hier).
Viele der Besucher legten Rosen auf dem rechteckigen Glasfenster im Boden in der Mitte des Bebelplatzes ab. Es gibt den Blick frei auf das Mahnmal «Bibliothek», einen unterirdischen Raum mit leeren weißen Bücherregalen. «Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnert, ist verdammt, sie zu wiederholen», warnte der Präsident der Humboldt- Universität, Christoph Markschies, in einer Talkrunde. Dies wolle er denjenigen immer gerne zurufen, die meinten, man habe sich bereits oft genug erinnert. Der Bürgermeister des Bezirks Mitte, Christian Hanke (SPD), betonte, dass vor allem Zivilcourage wichtig sei, um solche Entwicklungen zu verhindern.
Wowereit hatte daran erinnert, dass die Bücherverbrennung nicht allein auf organisierten Nazi-Terror zurückgegangen war. «Sondern sie war auch Initiative radikaler Teile der Studentenschaft, deren widerliches Treiben natürlich erwünscht war und deshalb vom Regime ermutigt und gedeckt wurde». Zahlreiche kulturelle Werte seien durch die Nazis zerstört worden. Die Emigration zahlreicher bedeutender jüdischer Autoren habe «zu einem ungeheuren kulturellen Aderlass für Deutschland» geführt.
Um zu ermessen, wie tief dieser Einschnitt durch die braune Diktatur war, sei die auf Berlin.de zugänglich gemachte Liste der verbannten Bücher ein wichtiges Instrument. «Ich bitte vor allem junge Menschen, diese Möglichkeit zu nutzen», erklärte der Regierungschef.
Von März bis Juni 1933 hatten bald nach dem Regierungsantritt Adolf Hitlers Studenten, Professoren und Angehörige von NS-Verbänden zehntausende Werke jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller in öffentlichen Aktionen auf Scheiterhaufen geworfen. Am 10. Mai 1933 wurden in Berlin auf dem damaligen Opernplatz unter anderem Bücher von Heinrich Heine, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Karl Marx, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky verbrannt.
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Sammlung «Verbrannter Bücher» erscheint - Geschenk an 4000 Schulen
Berlin (dpa/bb) - Auf den «Schwarzen Listen» der Nationalsozialisten standen tausende Bücher, die vor 75 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt und nach dem Krieg nicht wieder aufgelegt wurden. In einer «Bibliothek Verbrannter Bücher» sollen nun 120 ausgewählte Titel wieder veröffentlicht werden und eine große Leserschaft erreichen. Das Projekt des Moses-Mendelssohn-Zentrums der Universität Potsdam wurde am Freitag mit einer ersten zehnbändigen Buchkassette - darunter Werke von Erich Kästner, Jack London, Kurt Tucholsky und Salomon Friedlaender - im Deutschen Historischen Museum in Berlin vorgestellt.
«Wir wollen mit der Bibliothek ein lebendiges Mahnmal schaffen», sagte der Direktor des Zentrums, Julius Schoeps. Er hoffe, dass dadurch «ein Teil des Kulturbruchs von 1933» behoben werden könne. «Die junge Generation soll ermutigt werden, an das Erbe vor 1933 anzuknüpfen.» Die Bibliothek bietet einen Querschnitt der damaligen Kultur- und Literaturströmungen und richtet sich vor allem an Schüler. Mehr als 4000 Schulen sollen die Gesamtausgabe als Geschenk erhalten. Verschiedenen Stiftungen und Institutionen fördern das Projekt.
In einem symbolischen Akt überreichte der 98-jährige Hans Keilson («Das Leben geht weiter»), einer der letzten lebenden Autoren, deren Werke von den Nazis verbrannt wurden, zwei Buchkassetten an je eine Schule in Berlin und Potsdam. Zur Bibliothek sollen auch drei wissenschaftliche Begleitbände erscheinen. Der Band «Die Orte der Bücherverbrennung in Deutschland» liegt bereits vor. Im Jahr ihrer Machtergreifung inszenierten die Nationalsozialisten 94 Bücherverbrennungen, die erste am 7. März in Dresden, die letzte am 9. Oktober in Rendsburg.
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Stichwort: Tag des Buches - 10. Mai
Hamburg (dpa) - Am Tag des Buches gedenken der Verband deutscher Schriftsteller und das PEN-Zentrum seit 1979 jährlich der Bücherverbrennung durch die Nazis. Autoren, Buchhändler und Verleger erinnern an verbotene Bücher der Jahre 1933 bis 1945 und unterdrückte Literaturen der Gegenwart. Am Abend des 10. Mai 1933 wurden in etwa 20 deutschen Universitätsstädten als Abschluss der «Aktion wider den undeutschen Geist» die Werke von rund 130 Autoren verbrannt. Auf den schwarzen Listen mit «zersetzendem Schrifttum» standen Bertolt Brecht, Heinrich Heine, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Sigmund Freud und Karl Marx.
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Berlin erinnert an die Bücherverbrennung der Nazis vor 75 Jahren
Berlin (dpa/bb) - Zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten wird an diesem Freitag und Samstag in Berlin der verfolgten Schriftsteller und ihrer Werke gedacht. Bundespräsident Horst Köhler wird am Freitag in der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz sprechen. Unter dem Motto «Literatur auf dem Scheiterhaufen - Der Geist im Feuer» lesen die Schauspieler Günter Lamprecht und Jutta Wachowiak, die Schriftsteller Volker Braun, Ingo Schulze und Herta Müller aus Werken von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bertolt Brecht und anderen Autoren in der Akademie.
Am Samstag (10. Mai) wollen unter anderem die Humboldt-Bibliothek und das spanische Kulturinstitut Cervantes zu einer ganztägigen Gedenkveranstaltung auf dem einstigen Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz neben der Staatsoper, an die Verbrennung erinnern. Unter dem Heinrich-Heine-Motto «...dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen» gibt es Ansprachen, Talkrunden, Vorträge, Originaltondokumente, Lieder und Lesungen aus den verbrannten Werken.
Auch auf dem Münchner Odeonsplatz und dem Königsplatz wollen Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Kirche am Samstag an die Bücherverbrennung erinnern. Nach Angaben der Stadt werden dort unter anderem die Kabarettisten und Schauspieler Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt, Sunnyi Melles sowie Kardinal Friedrich Wetter, SPD- Fraktionschef Franz Maget und die Bertolt-Brecht-Tochter Hanne Hiob aus verbrannten Werken zitieren.
Von März bis Juni 1933 hatten bald nach dem Regierungsantritt Adolf Hitlers Studenten, Professoren und Angehörige von NS-Verbänden zehntausende Werke jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller in öffentlichen Aktionen auf Scheiterhaufen geworfen. Bei der zentralen Aktion «Wider den undeutschen Geist» am 10. Mai 1933 auf dem damaligen Opernplatz wurden unter anderem Bücher von Heinrich Heine, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Karl Marx, Heinrich Mann, Alfred Döblin, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky verbrannt. Allein bei dieser Aktion sollen 30 000 Bücher in die Flammen geworfen worden sein, deren Autoren nicht in die NS-Ideologie passten.
Unter den Zuschauern des Spektakels in Berlin war auch der Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974), dessen Bücher ebenfalls in die Flammen geworfen wurde. «Es war widerlich», erinnerte sich Kästner später. Von den damals lebenden Autoren der verfemten Werke waren zum Zeitpunkt der Bücherverbrennung schon viele ins Ausland geflohen.
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Lesen gegen das Vergessen - 75. Jahrestag der Bücherverbrennung
Hamburg (dpa/lno) - Mit einer Marathonlesung um 11 Uhr am Kaiser-Friedrich-Ufer erinnern die Hamburger am Donnerstag (8. Mai) an die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten. Genau dort hatten am 15. Mai 1933 NS-Studentenorganisationen und Burschenschaftler Bücher verbrannt: Als «schädlich und unerwünscht» eingestuft, verboten und verbrannt wurden unter anderem die Bücher von Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Sigmund Freud, Ernest Hemingway und Kurt Tucholsky. Gelesen wird auch auf fünf weiteren Plätzen, Bischöfin Maria Jepsen liest um 13 Uhr vor dem Lessing-Denkmal auf dem Gänsemarkt, der Schauspieler Rolf Becker um 14 Uhr vor dem Heine-Denkmal am Rathausmarkt.
(Internet: www.Lese-Zeichen-Hamburg.de)
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Schaufenster-Ausstellung in der Hüxstraße in Lübeck
(HdL) - Am 10. Mai ist es 75 Jahre her, dass Bücher «den Flammen übergeben» wurden (in Lübeck am 26. Mai 1933 Buniamshof). Aus diesem Anlass wird die Hüxstraße in 50 Schaufenstern ihrer Geschäfte beispielhaft 50 «verfemte» Autoren vorstellen, deren Werke durch die Bücherverbrennung, der Zerstörung von Meinungsfreiheit durch Intoleranz, vernichtet und unterdrückt werden sollten.
In jedem dieser Schaufenster finden man ein Plakat mit einem Text zu einem der Autoren und eins seiner, bzw. ihrer Bücher, meist im Erscheinungsjahr vor 1933. Das ausgestellte Buch ist also ein Beispiel eines der Verbrennung entgangener Bücher. Der Text beinhaltet eine Kurzbiographie und ein Textbeispiel aus dem literarischen Werk des Autors.
«Für die Hüxstraße habe ich ein Konzept entworfen, das ausdrücklich nicht den Zeigefinger hebt, sondern sachlich auf den Beginn einer Zeitphase aufmerksam macht, in der zwölf Jahre lang die freie Meinung und Persönlichkeitsentfaltung im Alltag, in der Literatur und der Kunst unterdrückt wurde, mit den Folgen und Ereignissen, die jeder von uns kennt», so der Buchhändler Olaf Adler, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Hüxstraße.
Die Ausstellung beginnt am 10. Mai und ist bis zum 14. Juni in den Schaufenstern der Geschäfte der Hüxstraße zu sehen.
(Internet: www.die-huexstrasse.de; www.arno-adler.de)
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Kästner-Lesung zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung
Schwerin (dpa/mv) - An die nationalsozialistische Bücherverbrennung vor 75 Jahren erinnert am 10. Mai eine Lesung aus Werken Erich Kästners (1899-1974) im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Mit Dokumenten, Erzählungen, Gedichten und Liedern solle zudem ein Einblick in das Leben Kästners gegeben werden, der in der Nazizeit zu den verbotenen Autoren gehörte. Wie das Theater am Freitag mitteilte, gestalten den Abend mehrere Schauspieler und Musiker sowie die Schweriner Autorinnen Jutta Schlott («Klare Verhältnisse», 1989) und die zwölfjährige Eva Poppe.
Kästner erlebte selbst mit, wie seine Schriften von den Nazis auf dem Berliner Opernplatz verbrannt wurden. Sein erfolgreichstes Werk, das Kinderbuch «Emil und die Detektive», war jedoch von der Vernichtung ausgenommen. Kästner durfte auch noch 1943 das Drehbuch für «Münchhausen», den Jubiläumsfilm der Ufa, verfassen.
In einem Podiumsgespräch mit dem Schauspieler Günther Grewolls soll zudem die wenig bekannte Schweriner Bücherverbrennung am Pfingstsonntagabend 1933 mit ihren Auswirkungen auf Literatur und Theater erörtert werden. Veranstalter sind das Staatstheater und die Stadtbibliothek Schwerin.
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«Es ist beschämend» - Erinnerung an Autoren verbrannter Bücher
Berlin (dpa) - Es war ein regnerischer Abend in weiten Teilen Deutschlands und dennoch schossen auf zentralen Plätzen Flammen hoch empor. Der 10. Mai 1933 ist als Tag der Bücherverbrennung in die Geschichte eingegangen. Zehntausende von Büchern wurden allein in dieser Nacht ein Raub der Flammen. Zweifelsfrei beleg sind Verbrennungen in 22 Städten. Von Anfang März bis Ende August waren es mehr als 70 Aktionen, in manchen Orten wurden sogar mehrere Male Bücherberge entzündet, etwa in Heidelberg, Braunschweig, Hamburg und München. Die ritualisierten Feiern mit Fackelzügen am 10. Mai waren der Schlussakkord der «Aktion wider den undeutschen Geist», den das Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft wochenlang vorbereitet hatte.
In den Feuern vernichtet wurden die Werke von Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanautoren, politischen Schriftstellern und Publizisten, darunter Karl Marx, Heinrich Heine, Sigmund Freud, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Carl von Ossietzky und Alfred Kerr. Diese Namen und ihre Werke haben bis heute überlebt. Aber wer kennt noch Maria Leitner, Georg Hermann, Rudolf Geist, Heinrich Kurtzig?
75 Jahre nach den Untaten stellt der Deutsche Kulturrat fest, dass die Nationalsozialisten damit «nachhaltig Erfolg» hatten. »Ja, es ist beschämend, aber es ist die Wahrheit», viele Schriftsteller, deren Werke auf den Scheiterhaufen landeten, seien in Vergessenheit geraten, sagt der Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Zum Jahrestag soll an sie mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert werden. Bundespräsident Horst Köhler hält am 9. Mai in der Berliner Akademie der Künste eine Rede. Schauspieler, Schriftsteller und Schüler lesen aus den Werken der damals verfemten Autoren. Am 10. Mai laden die Humboldt-Bibliothek, das spanische Kulturinstitut Cervantes und die SPD zu Vorträgen, Diskussionsrunden, Liedern und Lesungen aus den verbrannten Werken auf dem Berliner Bebelplatz ein.
Genau dort, auf dem damaligen Opernplatz, hatten sich am Abend des 10. Mai 1933 rund 40 000 Menschen versammelt, die bei Sprühregen in hellem Scheinwerferlicht zusahen, wie Studenten Ketten bildeten und unzählige Bücherstapel von Lastwagen ins Feuer trugen, eingeleitet von den «Feuersprüchen» mehrerer Rufer. Der erste: «Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung. Ich übergebe der Flamme die Schriften von Karl Marx und Kautsky.»
Die Studentenschaft, damals schon weitgehend von Nationalsozialisten beherrscht, hatte schwarze Listen von Büchern erstellt, die sie als «zersetzendes Schrifttum» brandmarkte. Öffentliche und private Bibliotheken seien in Sammelaktionen davon zu säubern, wurde im April und Mai in Rundschreiben mitgeteilt - was auch vielerorts mit Billigung der Behörden geschah, an den Hochschulen häufig mit Unterstützung von Rektoren und Professoren. In Berlin trat um Mitternacht Propagandaminister Joseph Goebbels ans Mikrofon und verkündete, vom Radio landesweit übertragen: «Das Zeitalter eines überspitzten jüdischen Intellektualismus ist nun zu Ende. ... Die deutsche Seele kann sich wieder äußern.»
Als letzte große Inszenierung in der Frühphase der NS-Machtübernahme folgte die Bücherverbrennung der Verhaftungswelle gegen Kommunisten nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar und dem Judenboykott vom 1. April. Wie sich zeigte, war sie mehr als nur ein symbolischer Akt, sondern der Auftakt zu einer flächendeckenden bürokratischen Zensur und Indizierung der Nazis. Schon einige Tage später erschien im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel eine Auflistung mit 131 Autoren, deren Werke aus den Bibliotheken und Buchhandlungen entfernt werden mussten. Von den Zeitgenossen unter ihnen waren zu diesem Zeitpunkt schon viele ins Ausland geflohen.
«Diese Nacht ging wie ein Riss durch das Leben der 131 Autoren, die auf der Liste des undeutschen Geistes standen», schreibt der Journalist Volker Weidermann, der zum 75. Jahrestag in einem «Buch der verbrannten Bücher» jetzt die Lebensgeschichten aller verfemten Autoren erzählt. Der «Stern»-Reporter Jürgen Serke («Die verbrannten Dichter») hatte 1977 den Anfang gemacht, indem er sich auf die Suche nach verschollenen Schriftstellern begab. Der Kern seiner Sammlung von Erstausgaben, Manuskripten, Briefen und Fotos ist nun im Solinger Museum Baden zu sehen. Eine andere große Privatsammlung, die «Bibliothek der verbrannten Bücher» von Georg Salzmann, wird möglicherweise bald Teil der Augsburger Uni-Bibliothek. Die Hochschule hat Interesse am Kauf der rund 10 000 Bände bekundet, die überwiegend aus Erstausgaben der 1933 verbotenen Werke besteht.
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Verbrannte Bücher - Rauchspur von der Antike bis in die Gegenwart
Hamburg (dpa) - Die nationalsozialistische Bücherverbrennung vom Mai 1933 war zwar die systematischste ihrer Art, aber beileibe nicht die erste und letzte. Die Rauchspur der Vertilgung unliebsamer Gedanken reicht von biblischen Zeiten bis in die unmittelbare Gegenwart und endet nicht an den Grenzen demokratischer Länder. 2006 ging im ostdeutschen Pretzien das «Tagebuch der Anne Frank» in Flammen auf, 2001 äscherten junge schwäbische Christen einen Harry- Potter-Band ein. Unterdrücker und Unterdrückte, Revolutionäre und Bewahrer - sie alle verübten das, was Kulturhistoriker wegen der Art der Inszenierung mitunter auch als «Bücherhinrichtungen» bezeichnen.
Belegt sind solche Vorgänge schon aus dem alten China, wo 213 v.Chr. auf kaiserlichen Befehl die Schriften Konfuzius' verbrannt wurden. Im Alten Testament werfen die seleukidischen Besatzer Palästinas Gesetzbücher ins Feuer. Roms Imperatoren ließen anfangs christliches und nach ihrer Bekehrung heidnisches Schriftgut verbrennen. In Konstanz kamen 1415 die Werke des Reformators Jan Hus samt ihrem Autor auf den Scheiterhaufen, 105 Jahre später entzündete Martin Luther öffentlichkeitswirksam eine päpstliche Bulle. 1793 verbrannten französische Revolutionäre royalistische Titel, 1817 taten deutsche Burschenschaftler dasselbe mit dem Code Napoléon und allem, was sie als reaktionär und antinational empfanden.
Gemeinsam ist all diesen Aktionen der demonstrative und rituelle Charakter. Meist wählt man öffentliche Plätze, und seit dem Mittelalter überlässt man die Ausführung gerne dem Henker. Ihre Hochzeit erleben sie in Europa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, und dabei verwendet man «in zunehmendem Maß Elemente und Ideen aus dem Repertoire der Menschenbestrafung», wie der Historiker Hermann Rafetseder analysiert: «Im (...) Zeitalter des Buchdrucks erscheinen Schriften immer gefährlicher. (...) Insbesondere das öffentlich- feierliche Verbrennen wird für Obrigkeiten (...) immer mehr zum Bestandteil des politischen Instrumentariums.»
Für Rafetseder sind Bücherexekutionen Ersatzhandlungen; im Grunde geht es um die symbolische Austilgung von Gedanken und Bestrebungen, die man als bedrohlich empfindet. Meist sind damit auch die Verfasser gemeint: 1819 ermordet ein Student den Komödienautor August von Kotzebue, dessen Schriften er 1817 auf der Wartburg als «undeutsch» verbrannt hatte.
Gelegentlich lässt man Bücher auch köpfen oder zerreißen. Aber Feuer ist das häufigste Mittel. Schließlich hat es nicht nur von jeher Faszinationskraft, sondern liegt in der Vorstellungswelt mittelalterlicher Menschen auch aus anderen Gründen nahe: Es gilt als Mittel zur Reinigung von Infektiösem - etwa bei Pestepidemien - und außerdem als Erscheinungsform Gottes. Das Brandopfer von Ketzern, Hexen und lästerlichen Schriften soll Gott besänftigen, das feierlich-steife Ritual des Ablaufs den Machtanspruch der weltlichen Autoritäten dokumentieren.
Als sich im 19. Jahrhundert der moderne Verwaltungsstaat etabliert, geht die Epoche der von oben organisierten Bücherverbrennungen vorüber. Stattdessen sind es nun eher spontane Akte lokalen Volkszorns, denen neben anstößigen Büchern oft auch geistliche Werke und Behördenakten zum Opfer fallen. Noch 1922 verbrennen Berliner Jugendliche «Schmutz- und Schundliteratur» - und ein sozialdemokratischer Minister lobt sie dafür im Reichstag.
So knüpft die Bücherverbrennung der Nazis an eine ungebrochene Tradition an. Gleichwohl lasse sie sich nicht historisch relativieren, schreibt der Literaturwissenschaftler Theodor Verweyen. Er verweist auf die «10 000 Zentner Bücher und Zeitschriften», die allein in Berlin brannten: Weder für die schiere Menge, noch für die Bandbreite der vernichteten Werke noch für die flächendeckende Organisation der parallel in mehreren Städten abgelaufenen Aktion gebe es irgendein Vorbild in der Geschichte.
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