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Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche

Der folgende Text ist entnommen aus:Der Ratgeber für neue Autoren 2006/2007
Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche.
Alles, was Sie zum Thema Schreiben und
Veröffentlichen wissen müssen.
Frankfurt a.M. 2007, 490 S.
ISBN 978-3-937909-72-1
€ 14,80

Kapitel 6 - Autorenlesung: Etwas Mut
gehört dazu!

Etwas Mut gehört immer dazu ... Kleiner
Leitfaden für Autorenlesungen
von Ingrid Pohl

Autoren aller Verlage tragen zum Verkaufserfolg ihrer Bücher bei, wenn sie sich in die Öffentlichkeit begeben. Öffentliche Auftritte der Autoren – ob in Fernsehtalkshows oder während der Buchmessen – werden deshalb als gezieltes Marketinginstrument eingesetzt. Aber nicht nur die meist auf Privates fixierte Präsenz in den Massenmedien, sondern insbesondere ausgedehnte Lesereisen vor großem oder kleinem Publikum gehören selbst für etablierte Schriftsteller zum notwendigen Tagesgeschäft. Diese Notwendigkeit gilt genauso und vielleicht noch mehr für Autoren, die am Markt erst noch bekannt werden wollen.

In der Literaturzeitschrift Maskenball resümierte der Herausgeber Erfahrungen von der gerade verflossenen Frankfurter Buchmesse: "Einstimmiger Tenor nicht nur auf der Frankfurter Buchmesse war und wird es sein: daß man im Werbebereich seines Werkes sehr viel Eigeninitiative und einen langen Atem aufbringen muß, um erfolgreich zu sein. Eine Menge kreative Kraft und ein hohes Durchhaltevermögen wünschen wir allen Autoren."

Regelmäßige Lesungen sind daher ein möglicher Weg, das eigene Buch auch materiell zum Erfolg zu führen, der gemeinsam von Autor und Verlag gestaltet werden kann. Zwar muß sich der Autor neben seinem eigentlichen Handwerk nun auch noch um seine öffentliche Wirksamkeit bemühen, und nicht selten obliegt ihm dabei auch – gerade bei kleineren Verlagen – die Organisation vor Ort, doch liegt der herausragende Vorteil darin, dass der finanzielle Erfolg des Buchs nicht vom Verlag allein abhängt und der Autor bangend auf seine nächste Abrechnung warten muss. Denn gerade neue Autoren haben über Lesungen in ihrem regionalen Umfeld die hochwirksame Möglichkeit, den Erfolg selbst herbeizuführen, da nach einer Lesung stets Bücher verkauft werden.

Auch unter anderen Gesichtspunkten sind Lesungen interessant: Nicht selten haben Autoren, die noch nie öffentlich aufgetreten waren und sich für derartige Auftritte nicht geeignet hielten, doch den Versuch gewagt, nachdem sie einige Lesungen von Autorenkollegen besucht und unter strategischen Gesichtspunkten beobachtet hatten. So haben sie schließlich nicht nur Bücher verkauft, sondern auch noch Geschmack an diesen Auftritten gefunden. Denn es ist ja der direkte Kontakt zum eigenen Lesepublikum kaum anders möglich als über eine Lesung. Viel zu sehr hat man sich an die Vorstellung gewöhnt, dass Literatur eine technisch reproduzierbare Darbietungsform ist, dass Literatur etwas Gedrucktes – und Papier eben geduldig sein müsse. Während einer gelungenen Lesung erleben alle Beteiligten aber die Beglückung dessen, was Literatur eigentlich sein kann: Kommunikation und Dialog auf künstlerischem Niveau. Und dies gilt sowohl für die kultivierte literarische Soirée als auch für den als Performance inszenierten poetry slam. Gerade dort geht es den Autoren sogar primär um die Begegnung, da Literatur erst in der Lesung lebendig wird und das Publikum Autoren "zum Anfassen" selbst erleben will. Obwohl es doch viel einfacher und bequemer scheint, erzählte Geschichten ü ber den Bildschirm flimmern und sich durch vorgefertigte Bilder unterhalten zu lassen, sind Autorenlesungen daher wegen ihres offenen Charakters nach wie vor sehr beliebt.

Was können neue Autoren also tun, um den Verkaufserfolg zu fördern und gleichzeitig Kontakt mit den Menschen zu bekommen, für die sie geschrieben haben und für die sie sicher auch weiter schreiben wollen?

Sie können Lesungen halten und dabei auf die Menschen zugehen. Diese Menschen müssen nur davon erfahren, dass Sie lesen werden, die Lesung muss einen gewissen Rahmen finden, und Sie können sicher sein, dass Sie – auch wenn Sie noch ganz unbekannt sind – Ihr Publikum finden werden. Wenn Sie ein Buch veröffentlicht haben, besteht auch kein Grund, sich vor einer Blamage zu fürchten, denn der Schritt in die Öffentlichkeit ist ja bereits getan. Vielmehr ist sogar mit einem gewissen Vertrauensvorschuss zu rechnen, da eine Lesung meist dann besucht wird, wenn das Thema oder der Autor schon das Interesse geweckt haben. Wenn die Lesung dann gut vorbereitet ist und die Veranstaltung nicht zu lange dauert, kann praktisch nichts schief gehen.

Die Möglichkeiten zu lesen, sind fast unbegrenzt. Es gibt die klassischen Veranstalter im Buchhandel und in literaturnahen Einrichtungen (Literaturcafés, Büchereien, kirchliche Gemeindebibliotheken etc.). Sie können aber auch ganz andere Organisationen ansprechen, die für kulturelle Veranstaltungen aufgeschlossen sind, also zum Beispiel soziale Einrichtungen, Seniorentreffs, Kurkliniken, Landfrauenvereine, Volkshochschulen, Kirchengemeinden. Manche Einrichtungen beherbergen ein turnusmäßig wechselndes Publikum (wie z. B. Kurkliniken) und sind dankbar für Veranstaltungen, die nichts kosten (zur Frage des Honorars, s. unten).

Eine wichtige Frage ist, ob Ihr Buch ein allgemeines Publikum anspricht, oder ob es nicht doch einen besonderen, enger zu umgrenzenden Leserkreis gibt, der einfacher zu erreichen ist als die große Masse. Besonders deutlich wird dies, wenn Sie ein Kinderoder Jugendbuch geschrieben haben oder einen Seniorenratgeber oder einen Erfahrungsbericht, der ganz bestimmte Betroffenenkreise anspricht – wenn Sie also ein Buch geschrieben haben, das für bestimmte Personen von größerem Interesse ist.

Um sich auf den ersten Auftritt vorzubereiten, ist es durchaus sinnvoll, Veranstaltungen von erfolgreichen Kolleginnen und Kollegen zu besuchen. Beobachten Sie, wann und warum eine Lesung langweilig oder spannend wird. Wird dauerhaft vorgelesen, oder finden Unterbrechungen statt? Erfahrungsgemäß wissen die meisten Lesungsbesucher es sehr zu schätzen, wenn noch nicht etablierte Autoren den Flair des Schreibprozesses vermitteln. Dazu kann gehören, dass der Auftritt nicht nur professionell wirkt, sondern persönlich bleibt. Wenn der Vortragende einmal stockt und sich entschuldigt, dann wirkt das oftmals gerade nicht dilettantisch, sondern stellt genau die erwünschte Nähe und Wärme her.

Wie der bekannte Kalauer so richtig beschreibt: "Man kann über alles reden, nur nicht über 90 Minuten." Eine gute Lesung dauert deshalb etwa eine Stunde – mit anschließender Gelegenheit zur Nachfrage. Es bleibt der Hunger nach mehr, und das Buch wird gekauft. Es ist fatal, die Zuhörer, weil man sich selber warm gelesen hat, zwei Stunden und mehr zu belesen. Die Zuhörer werden nach 11/2 Stunden nicht aufstehen und gehen, aber sie fühlen sich in aller Regel angestrengt. Daher ein Rat: 60 bis höchstens 90 Minuten zu lesen und, wie gesagt, möglichst Unterbrechungen vorzunehmen (diese können auch durch musikalische Einsprengsel erfolgen; wenn Sie sich an die örtliche Musikschule wenden, werden Sie ganz gewiß unter den dortigen Lehrern jemanden finden, der gern und gut an einer Lesung mitwirken wird).

Lesungen können auch sinnvoll durch eine Bilderausstellung ergänzt werden. Dafür kann die örtliche Volkshochschule angesprochen werden, der örtliche Kunstverein etc. Lesungen mit zwei Autoren, die sich abwechseln, haben auch immer mehr Spannungspotential als ein langer Monolog.

Sie sollten sich, wenn Sie keine Übung im Vortrag haben, nicht sofort das große Publikum in der örtlichen Stadthalle zum Ziel nehmen, sondern erst einmal Ihre Freunde zu sich einladen, um Ihr Buch bei einem Glas Rotwein vorzustellen. Sie können sich und Ihr Buch in einem besonders wohlwollenden Umfeld erproben. Dann bieten sich z. B. Kirchengemeinden und Kulturvereine an, deren Geschmack sich nicht unbedingt an den Bestsellerlisten orientiert, und die gelegentlich sogar neugierig auf Neues sind. Dann stellt auch ein normales Buchhandlungspublikum von etwa 12-16 Zuhörern kein Hindernis mehr dar.

Wenn Sie dann einen Buchhändler aufsuchen, um sich mit Ihrem Buch vorzustellen, so ist das ein wichtiger Weg, Eindrücke vom real existierenden Buchmarkt zu erhalten. Bedenken Sie, daß der Buchhändler nicht in erster Linie Literaturförderer ist, sondern Kaufmann sein muß, um sein Geschäft zu erhalten. Das bedeutet, daß ihm (es gibt natürlich viele Ausnahmen!) ein Kunde, der sich als Autor entpuppt, zunächst keinen Umsatz bringt, sondern möglicherweise auch noch Arbeit. Aus betriebswirtschaftlichen Zwängen werden deshalb Lesungen von unbekannten Autoren nicht selten abgelehnt.

Wenn Sie also den Buchhändler um Gehör bitten, machen Sie es ihm leicht und angenehm. Empfehlen Sie sich als neuen Autor bzw. Autorin, die etwas Neues zu sagen haben. Wenn der Buchhändler nicht von sich aus ein Honorar anbietet, sollten Sie von sich aus zu erkennen geben, daß Sie mit einem Honorar nicht rechnen. Auch ist es sinnvoll, ein kostenloses Exemplar Ihres Buchs da zu lassen bzw. durch den Verlag übersenden zu lassen, damit er sich ein eigenes Bild machen kann. Wenn Sie – oder der Verlag – nach einigen Tagen freundlich nachfragen, ob denn eine Lesung möglich sei, können Sie durchaus Glück haben.

Der Buchhändler wird Ihnen üblicherweise seinen Verkaufsraum zur Verfügung stellen sowie die Bestuhlung und evtl. den Gästen auch ein Glas Wein. Es ist auch nicht unüblich, daß die Gäste für diesen Aufwand einen eher geringen Eintritt von € 3,00 oder € 5,00 bezahlen. Auch sollte die örtliche Presse von der Lesung informiert werden. In Zusammenarbeit mit dem Verlag können dann Plakate oder Handzettel angefertigt werden, die ein wichtiges zusätzliches Werbemittel sind.

Je nach zu erwartender Zuschauerzahl wird der Veranstalter Exemplare Ihres Buchs beim Verlag bestellen. Er erhält dafür zumeist günstigere Konditionen als im normalen Handelsverkehr ü blich, wie z. B. einen erhöhten Lesungsrabatt und das Recht, nicht verkaufte Exemplare zurückzugeben. Da die Bücher neuer Autoren oftmals nicht über das Barsortiment lieferbar sind, wer den die Bücher beim Verlag bestellt und es fallen die üblichen Postlaufzeiten an; daher sollte frühestmöglich (spätestens 14 Tage vor der Lesung) die gewünschte Büchermenge beim Verlag angefordert werden.

Wenn Sie außerhalb des Buchhandels lesen, also zum Beispiel in einer Bibliothek oder in einem Literaturcafé, dann liegt es an Ihnen, nach der Lesung die Bücher anzubieten. Das ist ein ganz ü blicher Vorgang, der im Publikum nicht nur akzeptiert ist, sondern sogar erwartet und genutzt wird, um das gekaufte Buch von Ihnen signieren zu lassen.

Beim Verkauf müssen Sie aber beachten, daß nur der festgesetzte Ladenpreis verlangt werden darf. Ein geringerer Preis (wegen Abnahme direkt vom Autor) ist gesetzlich untersagt und kann zu erheblichen Problemen führen (Kosten, Anwaltspost etc.).

Wenn Sie selbst das Buch anbieten, sollten Sie natürlich eher mehr Exemplare zur Verfügung haben; denn nichts ist ärgerlicher, als verlangte Bücher nicht verkaufen zu können. Ein Erfahrungswert besagt, daß etwa ein Drittel der anwesenden Zuhörer tatsächlich Bücher kauft, was bei der Bestellung berücksichtigt werden sollte. Gewiefte Autorenkollegen, die mit dem Auto zur Lesung fahren, haben auch immer noch eine Notreserve im Auto, falls die mitgeführten Bücher nicht ausreichen sollten.

Die örtliche Presse sorgt dafür, daß Ihre Lesung angekündigt wird. Daher sollte eben i.d.R. der Buchhändler eine kurze Pressemitteilung versenden, in der alle Daten genannt sind (Ort, Tag, Uhrzeit, evtl. Eintritt) und auch etwas über das Werk gesagt wird, aus dem gelesen werden wird. Es ist auch nicht verkehrt, ein Exemplar eines Buchs oder einen Waschzettel (Bestellschein mit Werbetext) zum Buch mitzusenden, um die angeschriebene Redaktion besser zu informieren. Gerade wenn eine örtliche Redaktion das Buch noch nicht zum Anlaß genommen hat, eine Besprechung oder ein Autorenporträt zu bringen, ist die Ankündigung einer Lesung gute Gelegenheit, in der Redaktion auch das Buch selbst noch einmal in den Vordergrund zu stellen. Sie sollten auch an überregionale Zeitungen denken, wenn Sie in einem Ort wohnen, der vom Regionalteil der Zeitung erfaßt wird.

Bekanntlich lebt die Presse nicht davon, Gutes zu tun. Sie lebt weit überwiegend davon, Negativmeldungen zu bringen. Solange Sie sich mit Lesungen im regionalen Bereich bewegen, werden Ihre Lesungen auch eher in regionalen Zeitungen reflektiert und besprochen werden. Die Redaktionen regionaler Zeitungen haben nicht den Auftrag überregionaler Feuilletons, scharfrichterlich ein Beil zu wetzen und möglichst gezielt niedersausen zu lassen. Lokale Zeitungen berichten weniger wertend, mehr dokumentarisch. Und das ist gut so, weil Sie am Anfang Ihrer Tätigkeit stehen und die bevorstehenden Erfahrungen Sie möglicherweise noch weiterbringen werden. Trotz alledem kann es Ihnen passieren, daß Sie negativ besprochen werden. Das ist eine schmerzliche Erfahrung, weil die idealistische große Anstrengung einer Publikumslesung oftmals nach Kriterien abgeurteilt wird, die falsch angewendet werden. Nicht selten kommt es vor, daß ein Rezensent bestimmte Erwartungen an das Werk heranträgt, die weder im Buchtitel noch im Werk selbst erhoben und deshalb natürlich auch nicht erfüllt werden. Es gibt Fälle schreiender Ungerechtigkeit, auf die Sie sich einstellen sollten – um dann womöglich positiv überrascht zu werden.

Im Marketing gibt es den Grundsatz, daß nur eine Besprechung wirklich schlecht ist, die nicht veröffentlicht wird. Will sagen, daß auch eine veröffentlichte Negativbesprechung immer noch Werbung für das Buch ist. Selbst eine negative Rezension ist besser als gar keine, denn auch eine negative Besprechung weckt Interesse und führt bekanntlich zur Nachfrage.

Je nachdem, wie groß der Verlag, in dem Ihr Buch erscheint, ist und in welchem Umfang er über Vertriebspersonal verfügt, um so größer wird die Unterstützung sein, die Sie als Autor erwarten können. Allerdings ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt: so beklagte sich kürzlich ein Autor, der seinen Erstling in einem renommierten Verlagshaus unterbringen konnte, über den mangelnden persönlichen Kontakt und das völlige Fehlen von Lesungsorganisation. Während für einige wenige – meist ohnehin absatzstarke – Autoren alle Hebel der publicity in Bewegung gesetzt werden, finden die meisten Neuerscheinungen lediglich in den jährlichen Bilanzen ihren Platz. Umgekehrt scheint es manchmal in kleinen Verlagen zu sein: großem persönlichen Engagement für die Autoren und intensivster Betreuung stehen dabei ä ußerst spärliche Etats und nicht vorhandene Personalkapazitäten gegenüber. Immer kommt es auf den Einzelfall an; Sie sollten sich über die Ausstattung der Vertriebsabteilung informieren und insbesondere auch Aktivitäten des Verlags, um zu Lesungen zu gelangen.

     © Frankfurter Taschenbuchverlag
 

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