Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche
Der folgende Text ist entnommen aus:
Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche.
Alles, was Sie zum Thema Schreiben und
Veröffentlichen wissen müssen.
Frankfurt a.M. 2007, 490 S.
ISBN 978-3-937909-72-1
€ 14,80
Kapitel 3 -
Dienstleistungsverlag: Was Sie bei der Wahl beachten müssen
Dienst an der Literatur - Zuschussverlage oder Dienstleisterverlage
von
Gertrude de Bono
Alle großen Tageszeitungen, die Redaktionen der Kulturzeitschriften,
Hörfunk- und Fernsehsender arbeiten sich seit einigen Jahren an einem
Thema ab, das manchen originell, anderen wichtig und
dritten als skandalös erscheint: dem sogenannten Zuschussverlag. Ein solcher
Verlag nimmt von Autoren Geld an, um aus ihren belletristischen Manuskripten
veritable Buchneuerscheinungen zu machen. Diese Dienstleistung wird meistens
von Schriftstellern in Anspruch genommen, deren Manuskripte von den sog. Publikumsverlagen
wegen des erhöhten Risikos, einen noch unbekannten Autor herauszubringen,
abgelehnt wurden und die keine Chance sehen, diese mit Vorleistungen des Verlags
zu publizieren.
Wenn ein Autor keinen Verlag findet, der die Finanzierung vorlegt
(daher "Verlag"), dann bleibt ihm offenbar nur der Selbstverlag.
In der Geschichte des Buchhandels hat sich jedoch, weil kaum ein Autor gern
den
kaufmännischen Alltag einer Verlagstätigkeit ü bernimmt, früh
bereits die Praxis herausgebildet, dass Verlage das Drucken und Inumlaufbringen
im Auftrag eines solchen Autors
durchführen und von ihm dafür bezahlt werden. Dieser gemietete
Verlag ist sozusagen der Selbstverlag des Autors mit den Mitteln eines professionellen
Verlags.
Im 18. Jahrhundert waren Verlage, die diese spezielle Dienstleistung
erbrachten, meist eigentlich Druckereien mit einer Buchhandelsauslage und,
im Austausch mit anderen Buchhändlern, für die eigenen Erzeugnisse
dann auch Verlag. Hier rührt wohl das
Missverständnis her, dass die "Dienstleisterverlage" irrtümlich
heute noch als "Zuschussverlage" bezeichnet werden, obwohl sie
gar keine "Zuschüsse" zu höheren Kosten verlangen.
Denn es gab die Mischfinanzierung (der Autor zahlte einen "Druckkostenzuschuss"),
die bedeutete, dass der Verlag, der im 18. Jahrhundert selbst in der Regel
Druckerei war, gegen Übernahme der bloßen
Kosten (ohne Gewinn) druckte und dafür Exemplare zum Publikumsverkauf
erhielt. Somit leistete der Autor tatsächlich bloß einen Zuschuss
zur Abdeckung der reinen Druckkosten und damit
zu den höheren Kosten des Verlags, der das Werk bewarb, den Bestand
pflegte und die Kosten von Vertrieb und Werbung zu tragen hatte. Das Unternehmen
erwirtschaftete
seinen Gewinn
schließlich durch Verkauf des (ihm vom Autor bezahlten) Werkes.
Im
Laufe des 19. Jahrhunderts begünstigte der technologische Fortschritt
und die Alphabetisierung der Bevölkerung, dass immer mehr Manuskripte
auf dem Markt kursierten, die im publikumsfinanzierten Verlagswesen keine
Chance hatten
und
die durch Inanspruchnahme
der Dienstleisterverlage an das Tageslicht drängten. Bei der explodierenden
Buchproduktion konnten die Dienstleisterverlage immer weniger damit rechnen,
ihren notwendigen
Gewinn durch Abverkauf der vom Autor, sozusagen als Bezahlung, ü berlassenenen
Exemplare zu erwirtschaften. Das überschießende Angebot an
literarischen Werken führte dazu, dass Dienstleisterverlage sich
nicht mehr nur die Druckkosten durch einen Zuschuss bezahlen lasssen
mussten. Sie mussten
jetzt
die gesamte
Palette der Verlagsdienstleistungen (Lektorat, Herstellung, Werbung,
Vertrieb, Lieferlogistik usw.) dem Autor in Rechnung stellen.
Aus dem "Zuschussverlag" wurde auf diese Weise – fast
durchgehend – der "Dienstleisterverlag".
Die alte Form
der Finanzierung mit einem Zuschuss des Autors flackert jedoch bis
heute immer
wieder auf, und
zwar bezeichnenderweise
auch in marktführenden Verlagen, von denen man derlei nicht
erwartet. S. Fischer verlangte noch 1905 die Zahlung der Druckkosten
von Artur Schnitzler
für sein Werk "Anatole", der beleidigt ablehnte. Und
vom noblen Suhrkamp Verlag und seinen
früheren Mitarbeitern hört man in der Branche, dass Autoren
auch noch bis in die Gegenwart auf ihr Autorenhonorar zu verzichten
hatten, bis die technischen
Produktionskosten für den Verlag wieder
eingespielt waren – eine besonders subtile Form der Autorenfinanzierung.
Das Merkwürdige daran: Was im Kunst- und Theaterbereich
normal und selbstverständlich ist (junge Künstler mieten
sich eine Galerie, um zu ihrer ersten Ausstellung zu kommen, und kaum
ein
Theatersessel, der nicht hoch subventioniert wäre), das ist manchen
Buchverlagen peinlich.
Dabei haben Suhrkamp und die ganze Branche durchaus
Grund, stolz
auf die
Leistungen zu sein, die mit Autorenfinanzierung verwirklicht werden
konnten. Die Erstlinge
Goethes, Hermann Hesses,
André Gides usw. wurden von Dienstleistung erbringenden Verlagen
herausgebracht. Diese setzten damit den Anfang für Schriftstellerlaufbahnen
von Weltrang.
Autoren, die sich selbst zu einem Anfang verhelfen,
sind beim Establishment
des Handels und der Autorenschaft verständlicherweise nicht
willkommen. Wer sieht schon gern seine Konkurrenz heranwachsen?
Deshalb gibt es
immer wieder Versuche der Verächtlichmachung, wenn ein Autor
seinen Start selbst finanziert hat. Die große und für
die Literaturgeschichte bedeutsame Tradition der Autorenselbstfinanzierung
wird dabei wissentlich
ausgeblendet. Der Comment
ist noch soweit einheitlich, dass auch universitäre Einrichtungen
Versuche, dieses bedeutsame buchhistorische Thema darzustellen,
gezielt blockieren.
Dem Mainzer Buchhistorischen
Institut unter Nestor Stephan Füssel etwa, der selbst ein
leidenschaftlicher Bücherschreiber ist und diese, wen wundert’s,
auch gern bei Suhrkamp veröffentlicht, missfiel das Vorhaben
eines jungen, unbefangenen Magisters, der es gewagt hatte, dieses
Thema anzugehen
und der die Selbstfinanzierung
der Goethe
und Schiller wissenschaftlich aufarbeiten wollte.
Doch lässt
sich weder das Bedürfnis nach Veröffentlichung
aufhalten noch die Notwendigkeit literarischer Vielfalt abstellen.
So kommt gerade
den Dienstleisterverlagen eine wichtige Funktion bei der Suche
nach den zweifellos vorhandenen Perlen unter den
Tausenden unveröffentlichter Texte zu, da die Publikumsverlage
die Masse unverlangt eingesandter Manuskripte meist nicht bewältigen
können. Im Gegenteil, immer wieder bestellen Verlagskonzerne
bei den Dienstleisterverlagen die Neuerscheinungen, um zu
sehen, ob etwas übernommen werden kann. Tatsächlich finden
auch Übernahmen statt – der Dienstleisterverlag ist
dann das Sprungbrett in die Großverwertung durch vertriebsstarke
Großverlage,
und seine Bedeutung für die Literatur wird schlaglichtartig
sichtbar.
Dienstleisterverlage konnten am Ende des 20. Jahrhunderts
auch durch
konkurrierende moderne Dienstleistungsvarianten,
die
für den Autor konzipiert wurden, um dessen Publikationslust
wirtschaftlich auszuwerten (wie "book on demand"), nicht
verdrängt
werden. Denn der professionelle Dienstleisterverlag stellt die
einzige wirkliche,
weil vergleichbare
Alternative zum Publikumsverlag dar, der neue Autoren in aller
Regel ablehnen muss. Der gute
Dienstleisterverlag bietet Bühnen für die Vorstellung
der Neuerscheinung und für den Autor, der auf sein Publikum
zugehen will. Wenn man die einzelnen Tätigkeiten der professionellen
Dienstleisterverlage mit den Tätigkeiten der großen
Publikumsverlage vergleicht, gibt es keinen wahrnehmbaren Unterschied.
Alle vertreiben ü ber
den Buchhandel, schlagen die Neuerscheinungen einer
großen Anzahl von Medien vor, präsentieren ihre Autoren
auf den internationalen Buchmessen usw. Der einzige nennenswerte
Unterschied: Der
Dienstleisterverlag hat kein Risiko und kann die Neuerscheinungen
jahrelang im Handel anbieten
und
den Autor in
den Markt begleiten, auch wenn die Verkaufserlöse am Anfang
eher gering sind. Der Publikumsverlag finanziert dagegen seine
Titel oft
durch Bankkredit
vor und muss deshalb sehr schnell größere Mengen verkaufen.
Gelingt dies nicht, sind Titel in spürbarer Gefahr, aus dem
Handel schon nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen
zu werden. Es ist nämlich ab einem gewissen Punkt für
den Publikumsverlag sogar verlockend, den Vertrieb eines Buches
einzustellen.
Tut er dies
und makuliert den Warenbestand, erhält er in hohem Umfang
auf den Warenbestand vorausbezahlte Steuern
wieder zurück. Deshalb ist es ein bedeutendes Privileg einer
Veröffentlichung bei einem Dienstleisterverlag, der zwar zunächst
seine Leistungen abrechnet und Geld verlangt, der dann aber erfolgsunabhängig
das Projekt auf Jahre hin unterstützen kann, was den von der
Verkaufsrendite abhängigen Publikumsverlagen meist
nicht möglich ist. Wenn man die Stellung des Autors, der ja
der Geldgeber ist, bedenkt, dann ist dieser Eifer professioneller
Dienstleisterverlage
auch verständlich. Bedenkt man dagegen die Not der Publikumsverlage,
ihr Kapital riskiert zu haben und eventuell zu verlieren, versteht
man andererseits die
zum Teil
krasse Vernachlässigung der Verlag-Autoren-Beziehung, über
die Autoren der großen Häuser immer wieder klagen.
Der
Dienstleistungsverlag wird von der Gewerkschaft seit dem " Ende
der Bescheidenheit" der
Schriftsteller, d. h. ab der zweiten
Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Unrecht bekämpft. Und
zwar weil die Ideologie den Autor als festdotierten, mit den Rechten
eines
festangestellten,
privilegierten Künstlers sieht. Eine Idealvorstellung,
von der alle Künstler träumen (wenn da nicht die Angst
wäre,
dass die Annahme von Privilegien den Künstler nicht auch in
eine künstlerische Abhängigkeit vom Unternehmer bringen
würde!).
Und noch eins: Die Tatsache, dass ein
nach Massenverkäuflichkeit
gehender Verlag die Finanzierung übernommen hat, gilt angeblich
als Qualitätsbeweis. Jedermann weiß jedoch, dass feine
und anspruchsvolle literarische Beiträge gerade nicht von
Bertelsmann oder anderen Konzernhäusern entdeckt werden, die,
vereinfacht gesagt, wie Lübbe gerne dickleibige, aber einfach
geschriebene historische Romane oder die berüchtigten Sportlerbiographien
herausbringen.
Warum aber wird vorgeschützt, dass die Akzeptanz
eines Manuskripts durch Bertelsmann oder Bastei zum Schriftsteller
qualifiziere?
Weil die organisierten
Autoren den großen Zustrom an
Nachwuchsschreibern fürchten, der durch die Bildungsreform
der 70er Jahre ausgelöst worden ist ("jeder kann schreiben").
Tatsache
ist, dass die Dienstleisterverlage seit Jahrhunderten eine dringend
benötigte Dienstleistung anbieten, zu der die
Publikumsverlage nicht fähig sind. Aus ihr gehen jährlich
rund 30% aller neuen belletristischen Titel hervor, was eine immense
Kulturkraft
des Teilbereichs
der Dienstleisterverlage
anzeigt. Bedenkt man die Schriftsteller von Weltrang, die bei einem
Dienstleisterverlag begonnen haben, dann haben Neulinge, die denselben
Weg
wählen und sich damit einer großen Herausforderung stellen,
allen Grund auf ihren unabhängigen Gang in den Buchmarkt stolz
zu sein.
Was Sie bei der Wahl eines Dienstleisterverlags beachten
sollten
Ein Dienstleisterverlag erbringt folgende Dienstleistungen:
- Lektorat und Korrektorat
des Textes
- Herstellung und Druck des Buchs
- stetige und rasche
Auslieferung des Buchs
- Durchführung von Werbe- und Vertriebsmaßnahmen
Ein
Druckkostenzuschussverlag oder Zuschussverlag unterscheidet
sich vom
Dienstleisterverlag, denn der
Zuschussverlag wird in der Regel nur durchführen, was bezuschusst
wurde, nämlich
den Druck. Insbesondere auf Werbungs- und Vertriebsmaßnahmen
muss der Zuschussverlag meist Verzicht leisten, weil der
Autor dafür keine Mittel zur Verfügung gestellt hat.
Im Unterschied dazu kommt eine "Book-on-demand"-Firma in der Regel auch noch ohne eine gedruckte Auflage aus, weil das
jeweilige
Buch nur bei
Eingang
einer
Bestellung ausgedruckt werden
soll ("on demand"). Diese Firmen nennen sich zwar oft "Verlag",
aber sie verstehen sich eher als Logistiker, d. h. als Einrichtungen,
die effizient Bücher drucken – falls diese bestellt
werden. Im Einzelfall ist nachzufragen, wie es denn zu Bestellungen
kommen soll, wenn Werbungs- und Vertriebsmaßnahmen für
das Buch nicht durchgeführt werden.
Einige praktische Regeln,
wenn Sie einen Dienstleisterverlag wählen:
1. Prüfen Sie,
ob der Verlag tatsächlich eine feste Auflage
druckt oder ob bloß "on demand" gedruckt wird,
d. h. nur dann, wenn eine
Bestellung eingeht. Um die Leistungen wirklich vergleichen zu
können, ist zu beachten, dass "book-on-demand"-Firmen
in der Regel sehr preisgünstige Angebote machen können,
weil die kostenintensive Herstellung einer regulären, im Buchlager
zu verwaltenden Buchauflage entfällt. Dienstleisterverlage
müssen
dagegen höhere Kosten berechnen, weil sie am klassischen Prinzip
der Werkauflage festhalten, die stetig abverkauft wird, um dann
zu einer zweiten Auflage
zu kommen ("book-on-demand"-Firmen,
die nur Einzelexemplare herstellen, können daher auch kaum
davon sprechen, eine zweite oder dritte Auflage zu drucken). Druckkostenzuschussverlage
verzichten per Selbstdefinition meist auf
alles außer auf den Druck des Buches. Wenn Sie Ihr Buch in
Umlauf bringen wollen, sind allerdings Neuerscheinungsinformation
und Medienarbeit
entscheidend.
Im Folgenden ist daher von den Dienstleisterverlagen die Rede,
die nicht nur drucken, sondern
durch Vertrieb und Werbung ein Werk auch der Öffentlichkeit
zuführen,
d. h. das Werk veröffentlichen.
2. Prüfen Sie, ob und
in welchem Umfang Vertriebsmaßnahmen
stattfinden. Wird nur ein "Druckkostenzuschuss" berechnet,
müssen Sie
bei Dienstleisterverlagen oft davon ausgehen, dass Vertriebsmaßnahmen
nicht durchgeführt werden und dass das Publikum vom gedruckten
Buch kaum Kenntnis erhalten kann. Ein um
den Vertrieb bemühter Verlag wird Ihnen nicht nur allgemeine
Auskünfte geben, sondern seine Bemühungen auch sichtbar
machen können. Fragen Sie nach einer schriftlichen Darstellung
der Vertriebsarbeit des Verlags.
3. Für einen sachgerechten
Vertrieb ist umfangreiche Pressearbeit notwendig, mehrere Hundert
Redaktionen anzusprechen, damit das
Buch besprochen werden
kann. Es ist bei guten Verlagen auch üblich, eine Neuerscheinung
bei eintausend oder mehr Buchhandlungen direkt durch Anschreiben
vorzustellen. Es ist wichtig
zu vereinbaren, dass der Verlag wenigstens einmal und das in den
ersten Monaten
nach der Neuerscheinung im Rahmen eines Vertriebsberichtes darlegt,
wer (namentlich) von der Neuerscheinung informiert worden ist.
Sie sollten
in den Verlagsvertrag
aufnehmen lassen (sofern diese Bestimmung nicht von vornherein
vorgesehen ist), dass der Verlag im Rahmen eines Vertriebsberichtes
seine Vertriebsarbeit
nachweist
und die Ansprechpartner in Buchhandel und Medienredaktionen nennt.
Ein professioneller Verlag tut dies
sowieso und gern – die Kritik der Autoren hilft immer weiter,
für
das Buch, aber auch für die immer mögliche Verbesserung
des Verteilers. Für Verlage, für die der genaue Nachweis
angeblich zu aufwendig ist und die ihn nicht führen können
oder wollen, gilt: Vorsicht!
4. Fragen Sie, ob der Verlag über
mindestens einen Handelsvertreter verfügt. An der Tatsache,
ob sich ein Verlag einen Handelsvertreter leistet, können
Sie erkennen, ob es der Verlag ernst meint mit der Pflege des Kontaktes
zum Buchhandel. Ein
Handelsvertreter
kann zwar Ihrem
Buch nicht
zu einem durchschlagenden
Verkaufserfolg verhelfen, denn er kann nur eine Auswahl von Buchhandlungen
bereisen und die Neuerscheinungen vorstellen. Aber ohne den Handelsvertreter
fehlt ein
wichtiges Bindeglied zwischen Verlag und Buchhandel. Der Handelsvertreter
eines Dienstleisterverlages bemüht sich besonders um die Gewinnung
von Lesungsveranstaltern und die Anbahnung von Lesungsmöglichkeiten,
die für neue Autoren wichtig sind. Ein Handelsvertreter sollte
eine branchenbekannte Größe und im Banger-Verzeichnis
für
Handelsvertreter verzeichnet sein. Fragen Sie den Verlag danach;
man wird Ihnen gern den Banger zeigen.
5. Falls Sie daran
interessiert
sind, Lesungen
zu halten: Fragen
Sie, ob sich der Verlag aktiv um Lesungsveranstalter bemüht.
Lassen Sie sich nicht abspeisen mit generellen Zusagen wie: "Ja,
machen wir!" Fragen Sie, ob der Verlag ein Autorenverzeichnis
herausgibt, aus dem Veranstalter sich interessante Autoren auswählen
und eine Lesung vereinbaren können. Lassen Sie sich ein solches
Verzeichnis zeigen.
6. Fragen Sie danach, ob der Verlag schon einmal
einen Autor
in Lizenz an einen Großkonzern vergeben und zu einer großen
Autorenlaufbahn verhelfen konnte. Verlage, die international aufgestellt
sind, haben unter Umständen bessere Zugänge zum internationalen
Lizenzgeschäft. Achten Sie daher auf die Verlagsniederlassungen.
7.
Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, in dem Sie im Kleingedruckten
einen Satz finden wie: "Der Verlag ist aus Gründen
der Lagerhaltungskapazität berechtigt, die vereinbarte Auflage
in Teilauflagen herzustellen und aufzubinden." Diese sog.
Teilauflagenklausel gehört in den meisten Fällen zum
unseriösen Teil des
Marktes. Denn er kann die versprochene Auflage aushebeln. Beispiel:
Die Startauflage beträgt laut Vorderseite des Vertrags 3.000
Exemplare. Auf S. 6 finden Sie die Teilauflagenklausel. Der Verlag
ist danach
berechtigt, zum Beispiel nur 100 Exemplare Ihres Buches herzustellen.
Da Sie praktisch
keinerlei Kontrolle haben,
wird diese Klausel oft von Verlagen genutzt, die unter Umständen
die versprochene Auflage gar nicht produzieren wollen.
Manche Verlage
sprechen
dagegen ganz
offen von kleineren Auflagen
von z. B. 500 oder 1.000 Exemplaren. Wenn das leicht ü berprüfbare
Versprechen beigegeben wird, das Werk auf eine bestimmte Anzahl
von Jahren garantiert und ohne Unterbrechung lieferbar zu halten
(z.
B. 2, 3 oder
5 Jahre), haben Sie
mehr in der
Hand, als wenn eine höhere Auflage versprochen wird, die,
dank erwähnter Klausel womöglich niemals ganz gedruckt
werden wird. Denken Sie an den Spatz in der Hand und an die Taube
auf dem
Dach!
8.
Fragen Sie,
unter welchen Umständen Ihr Buch in die zweite Auflage gehen
wird. Lassen Sie unbedingt in den Verlagsvertrag aufnehmen, dass
die zweite
und weitere
Auflagen
auf Kosten des Verlags gedruckt werden. Fairerweise muss man sagen,
dass der Nachdruck wirtschaftlich unzumutbar ist, wenn zum Beispiel
nur 5
Nachbestellungen vorliegen. Jeder Verlag braucht eine gewisse Menge
an Vorbestellungen,
um nachzudrucken.
Da Sie als neuer Autor aber auf jeden Leser, auf jede einzelne
Bestellung dringend angewiesen sind, muss diese Menge an "Vormerkungen" klein
sein, sonst laufen Ihnen bis zum Erreichen einer höheren Zahl
an Vorbestellungen die ersten Besteller schon wieder weg. Wenn
ein Verlag
75 oder 100 Vormerkungen
als Schwelle angibt, die den
Nachdruck des Buchs auf Kosten des Verlags auslöst, dann ist
dies für Sie vorteilhaft. Die Anzahl der Vorbestellungen ist
so gering, dass Autoren, die zum Beispiel gelegentlich Lesungen
auch außerhalb
des Buchhandels halten und selbst einen gewissen Bedarf haben,
bei 55 Vorbestellungen selbst
20 Exemplare ordern, die sie ja
ohnedies benötigen und damit aber den Nachdruck auslösen.
9.
Ein ambitionierter Dienstleisterverlag stellt seine Neuerscheinungen
auf allen
bedeutenden Buchmessen
im deutschsprachigen Raum vor. Dies sind derzeit die Messen in
Frankfurt/M., Leipzig und Basel.
10. Zuweilen gibt es die Unsitte,
dass der Verlag
zwar die Texte
korrigieren oder lektorieren lässt, dem Autor aber zumutet,
die Korrekturen zu Hause am Computer selbst einzufügen. Diese
Praxis sollten Sie sich verbitten. Wofür zahlen Sie die Publikationskosten,
wenn nicht für hochwertige Dienstleistungen, die dann für
Sie aber auch erbracht werden müssen!
11. Wenn Sie können,
besuchen Sie den Verlag Ihrer Wahl. Ein den Autoren zugewandtes
Verlagshaus wird Sie nicht abwimmeln, sondern
mit
Ehren empfangen.
Es ist schließlich wichtig zu wissen, mit wem man es, wenn
man einen auf Jahre laufenden Vertrag
abschließt, zu tun hat. Achten Sie dabei durchaus auf Äußerlichkeiten!
Diese Äußerlichkeiten verraten Ihnen etwas vom Geist
des Unternehmens, dem Sie Ihr Manuskript anvertrauen. Generell
und branchenübergreifend kann man wohl sagen: Je größer
das Unternehmen desto professioneller ist das Geschäftsgebaren.
Ein großer Verlag kann sich große Präsentationen
auf den Buchmessen leisten; die Neuerscheinungen erhalten automatisch
mehr
Aufmerksamkeit.
12. Ein guter Dienstleisterverlag wird Ihnen gegenüber
im Gespräch
oder durch ein Lektoratsgutachten begründen, warum der
Verlag Ihr Manuskript für veröffentlichungswürdig
hält.
Fragen Sie – falls Ihnen dies nicht sowieso vorgetragen wird – ob
es Kritik oder Verbesserungsvorschläge des Lektors gibt. Wenn
Ihr Gesprächspartner
qualifiziert antwortet, wissen Sie, dass Sie in den
Händen eines engagierten Buchverlags sind, der nicht nur am
Geld interessiert ist, sondern an einem guten Verlagsprogramm,
dessen Teil
Ihr Manuskript
werden soll.
13. Achten Sie darauf, ob Sie bei einem Dienstleisterverlag
nur mit
Betriebswirten und Kaufleuten zu tun haben, oder ob Sie auch von
Germanisten beraten werden.
Häuser, die Germanisten beschäftigen
und dafür höhere Kosten akzeptieren, haben auch inhaltlich
fundierte Vorstellungen. Und dies wirkt sich auf das Programm des
Hauses und auf
seinen Ruf aus.
14. Im Verlagswesen herrscht ein harter Wettbewerb.
Ein Verlagsunternehmen,
dessen Dienstleistung hochwertig und deshalb begehrt
ist, wird sich niemals negativ über andere Verlage äußern.
Geschieht dies, müssen Sie davon ausgehen, dass der Anbieter
weiß, dass Sie nicht mit der Qualität der Dienstleistung
gewonnen werden können, weil diese dem Wettbewerb nicht standhält,
und dass der Verlag es deshalb nötig hat, den Wettbewerb
mit Diskreditierung der Konkurrenten zu führen.
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